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Von: Daniel Knabl
Veröffentlicht am: 1.3.2024

Checkliste Familienaufstellung – Ist mein Thema geeignet?

Wann macht eine Familienaufstellung Sinn, wann ist eine andere Methode geeignet? Mit der Checkliste Familienaufstellung findest du es heraus!

Viele von uns erleben immer wieder Situationen, die wir nicht recht verstehen und für die wir auf herkömmliche Weise keine Antworten finden. In solchen Fällen kann es daher sinnvoll sein, mit einer „systemischen Brille“ hinzusehen und von den Symptomen zu den zugrunde liegenden Ursachen zu gelangen. Finde mit meiner Checkliste heraus, ob eine Familienaufstellung für dein Anliegen passt!

Warum eine systemische Familienaufstellung?

„Systemische Methoden“ sind im wesentlichen Methoden, die auf systemischen Denkmodellen beruhen. Das bedeutet, neben dem Individuum auch das umgebende System zu betrachten und dies auch über mehrere Ebenen hinweg. Ebenen bedeutet in diesem Zusammenhang Hierarchie und Verschachtelung, wobei ein System Teil eines nächstgrößeren Systems sein kann – zum Beispiel das System Mensch als Teil des Systems Familie und das System Familie als Teil des Systems Gesellschaft.

Erst in einer Betrachtung dieser unterschiedlichen Ebenen können systemisches Denken und die davon abgeleiteten Methoden ihr volles Potenzial entfalten. Dann gelingen mitunter magisch anmutende Lösungen für scheinbar unlösbare Probleme.

Was passiert bei einer Familienaufstellung?

Bei der Methode geht es darum, ein inneres Bild von einer Situation für Klient:innen sichtbar zu machen und dieses Bild von außen zu betrachten. Dadurch wird einerseits etwas Unbewusstes im ersten Schritt bewusst gemacht. In einem nächsten Schritt geht es um Perspektivenwechsel, um aus gewohnten Bahnen auszubrechen und bislang verborgene Zusammenhänge zu erkennen.

Unter Anleitung durch eine:n kompetente:n Aufstellungsleiter:in werden einzelne Veränderungen an diesem Erstbild vorgenommen. Dadurch werden systemische Prinzipien in einen stimmigen Zustand gebracht und neue Lösungsmöglichkeiten gedanklich erprobt und geübt.

  • Sind Dinge vermischt, die nichts miteinander zu tun haben, so werden diese entwirrt und entflochten.
  • Sind Dinge getrennt, die zusammengehören, dann werden sie in Verbindung gebracht.

Durch diese beiden Prinzipien wird schließlich Ordnung hergestellt und für die Klient:innen stellt sich in der Regel Erleichterung ein.

Was ist bei einer Familienaufstellung zu beachten?

Im Rahmen von Coaching und Beratung ist die Familienaufstellung ein sehr effizientes Werkzeug, weil sie auf sehr unbewusster Ebene und sehr unmittelbar und direkt wirkt. Gerade deshalb ist eine Grundvoraussetzung, dass Aufstellungsleiter:innen eine seriöse, fundierte Ausbildung haben und sich regelmäßig weiterbilden.

Ein Merkmal für die hochwertige Qualität einer Familienaufstellung ist die Erstellung eines Genogramms. Das ist ein sehr strukturierter und übersichtlicher Familienstammbaum, welcher wie eine Landkarte für die Familienaufstellung verwendet werden kann.

Im Genogramm werden – durch die saubere Struktur – oft unmittelbar die relevanten Muster und systemischen Verletzungen sichtbar. Die Erstellung eines Genogramms kann bereits eine Lösungsfindung einleiten, ohne dass tatsächlich schon eine Familienaufstellung stattgefunden hat.

Diese „Checkliste Familienaufstellung“ soll dir eine Idee vermitteln, welche Themen im Rahmen einer Aufstellung bearbeitet werden können.

Daniel Knabl Methode Familienaufstellung
Daniel Knabl Familienaufstellung

Checkliste – Welche Themen sind ideal für eine Familienaufstellung?

Nicht jedes Thema hat eine systemische Ursache. Anders als bei Medikamenten sind bei systemischen Interventionen jedoch keine gefährlichen Nebenwirkungen zu erwarten. Im schlechtesten Fall zeigt eine eingesetzte Methode keine Wirkung. Das bedeutet, Sie können durch eine Familienaufstellung keinen Schaden anrichten, wenn Ihr:e Aufstellungsleiter:in sorgfältig arbeitet.

Checkliste Teil I – Unangemessen starke oder unerklärliche Gefühle

In diese Kategorie gehören Gefühle, die dir selbst nicht geheuer sind oder die du dir selbst nicht erklären können:

  • unangemessen starke Gefühle
  • Gefühle, „die nicht meine eigenen sind“
  • Gefühle, die nicht zum Kontext passen

Konkret könnte das sein:

  • hysterisches Lachen in einem sehr traurigen Moment
  • Belustigung anstelle von Verärgerung
  • Aufbrausende Wut ohne erkennbare Ursache
  • Eine Emotion, die mich aus heiterem Himmel überrollt

Checkliste Teil II – Falsche Rolle oder den eigenen Platz nicht finden

Vielleicht habst du das Gefühl, nicht an der richtigen Stelle zu sein, oder du findest keine:n passende:n Partner:in. Vielleicht stehst du in den Schuhen einer anderen Person und wunderst dich, weshalb das so ist.

  • sich verhalten wie der eigene Vater/die eigene Mutter
  • sich den eigenen Eltern gegenüber überlegen fühlen
  • das Gefühl, nicht dazu zu gehören
  • nicht das eigene Leben leben
  • nirgends zuhause sein

Es gibt sehr viele mögliche Ausprägungen und Varianten, wie sich solche Muster zeigen. Oftmals gehen solche Verstrickungen einher mit starken Emotionen wie Trauer, Wut oder einem Gefühl der Wertlosigkeit.

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Checkliste Teil III – Ungeklärte Konflikte

In den meisten Familien gibt es Konflikte, manchmal kleinere und manchmal größere. Oftmals ziehen sich solche Konflikte, wenn sie nicht gelöst werden, über mehrere Generationen hin. Selbst wenn die eigentlichen Konfliktparteien nicht mehr leben sollten, kommt es häufig vor, dass spätere Generationen diese Konfliktmuster unbewusst nachleben oder in irgendeiner Form aufgreifen.

Konflikt bedeutet in diesem Zusammenhang nicht zwangsweise eine offene oder gewaltsame Konfrontation zwischen mehreren Beteiligten. Vielmehr handelt es sich dabei in der Regel um unausgesprochene Vorwürfe, Verletzungen oder Tabus.

Im Rahmen einer Familienaufstellung können solche Muster erlebt und verstanden werden. Es wird Versöhnung und Lösung möglich, was für die Klient:innen meist eine ungeheure Erleichterung bedeutet.

Checkliste Teil IV – Tief sitzende Verletzungen und Trauer

Beseonders traumatisierende Erlebnisse sitzen sehr häufig so tief, dass sie das Leben von Klient:innen nachhaltig beeinträchtigen, ohne dass es diesen bewusst wäre.

  • körperliche Gewalt
  • Missbrauch
  • schwere Krisen
  • Krieg und Vertreibung
  • schwere Verluste

Dies sind nur ein paar Beispiele, die Liste ließe sich deutlich länger fortsetzen. Werden solche Situationen nicht in angemessener Weise verarbeitet oder stattdessen sogar verdrängt, dann kann eine Familienaufstellung ein geeignetes Mittel zur Lösung sein.

Hier ist jedoch wichtig, dass Strukturen und Dynamiken betrachtet werden und nicht Inhalte. Inhaltliche Arbeit und Arbeit an der Vergangenheit sollten ausgebildeten Therapeuten vorbehalten bleiben und nicht leichtfertig in Aufstellungen zum Einsatz kommen.

Checkliste Teil V – Fragen, Orientierung, Abstrakte Themen

Aufstellungsarbeit eignet sich auch für die Klärung von Fragen und zur Orientierung in einem Thema.

  • Klärung von Zielen und Hinernissen
  • Abwägen von Optionen und Alternativen
  • Unterschiedliche Aspekte und deren Wechselwirkungen
  • Körperliche Symptome ohne erkennbare medizinische Ursache

Dein:e Aufstellungsleiter:in kann sicherlich zu sehr vielen Themen geeignete Formate anbieten und mit dir eine entsprechende Familienaufstellung durchführen.

Welche Form einer Familienaufstellung ist sinnvoll?

Hast du anhand der „Checkliste Familienaufstellung“ dein Anliegen für geeignet eingestuft, dann stellt sich unweigerlich die Frage, in welcher Form du die Aufstellung durchführen möchtest.

Prinzipiell unterscheiden wir zwischen Einzelsetting und Gruppensetting. Im Einzelsetting seid du und dein:e Aufstellungsleiter:in alleine und ihr nutzt beispielsweise Kärtchen im Raum oder Figuren auf einem Brett. Diese Variante eignet sich sehr gut im Rahmen von Coaching und Beratung, da sie mit wenig Vorbereitung und wenig Aufwand durchgeführt werden kann.

Im Gruppensetting setellen sich fremde, dir unbekannte Personen als Stellvertreter für Elemente in deiner Familienaufstellung zur Verfügung. Diese Variante ist manachmal sehr hilfreich, um den Klient:innen eine umfassende Außensicht zu ermöglichen und Dynamiken deutlich sichtbar zu machen. Die Klient:innen können im Zusehen eine möglche Lösung erkennen und leichter für realisierbar halten.

In beiden Varianten geht es unterm Strich um die erwähnten Prinzipien „Vermischtes trennen“ und „Getrenntes verbinden“. Ein:e gut ausgebildete:r Aufstellungsleiter:in wird dir zur geeigneten Variante für dein Anliegen raten und dich bestmöglich begleiten.

Wie geht es nach einer Familienaufstellung weiter?

Was uns belastet, hatte oftmals viel Zeit, sich zu festigen. Daher ist das Ende einer Aufstellung stets der Anfang von etwas Neuem – von einem Veränderungsprozess.

Entgegen der Behauptung mancher Kollegen, dass man eine Aufstellung auch selbst für sich machen kann, bin ich der Überzeugung, dass dies eine unverhältnismäßig große Konzentration und enormen Kraftaufwand benötigen würde. Beides bringt aus meiner Sicht den Erfolg einer Aufstellung in Gefahr, die Enttäuschng wäre nahezu vorprogrammiert. Um sich diesen Frust zu ersparen und tatsächlich eine Lösung für dein Anliegen zu bekommen, lautet meine klare Empfehlung, eine:n gut ausgebildete:n Aufstellungsleiter:in aufzusuchen. Du erhältst dann eine seriöse Begleitung, die speziell bei schmerzlichen Themen wichtig ist.

Außerdem gehört nach meinem Verständnis eine Aufstellung mit einem Nachgespräch abgeschlossen. Ein solches führe ich frühestens drei bis vier Wochen nach einer Aufstellung durch, denn das neu entstandene Lösungsbild braucht Zeit, um verinnerlicht zu werden und seine Wirkung entfalten zu können.

Schnapp dir am besten gleich die Checkliste und prüfe, ob dein Thema mit einer Aufstellung bearbeitet werden kann. Ich wünsche dir schon einmal alles Gute und viel Erfolg.