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Daniel Knabl Systemische Beratung

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Von: Daniel Knabl
Veröffentlicht am: 2.2.2024
Kategorien: Allgemeines

Dringend notwendige Kurskorrektur

Zwar wissen wir nicht wohin, aber wir müssen uns beeilen, um schneller dort zu sein. Wenn Sie gefühlt der Wahnsinn einholt, dann ist es an der Zeit für ein Innehalten, sowie für eine dringend notwendige Kurskorrektur.

Diese noch so dringend notwendige Kurskorrektur muss in Wahrheit nicht weh tun. Vermutlich haben Sie Angst vor der Veränderung oder Sie haben bereits unangenehme Erfahrungen damit gemacht. Damit es wirklich klappt, und zwar auf sehr einfache Weise, habe ich Ihnen in diesem Artikel ein paar hilfreiche Tipps zusammengestellt.

Woher kommt die Angst, nicht schnell genug zu sein?

Immer wieder kommen Menschen zu mir in die Praxis und wünschen sich noch schneller irgendein Ziel zu erreichen. Coaching Methoden können in der Tat die Zeit verkürzen, die wir zur Erreichung unserer Ziele benötigen. Das liegt vor allem daran, dass diese Methoden für Klarheit und Fokussierung sorgen.

Leider rennen Menschen aber oftmals wie verrückt einem Ziel hinterher, das weder klar definiert ist, noch einen tatsächlichen Nutzen stiftet. Diese Leute rennen häufig deshalb, weil sie unbewusst Angst haben, stehen zu bleiben. Würden sie nämlich innehalten, dann müssten sie schmerzlich erkennen, dass sie ohne Orientierung im Leben unterwegs sind.

Notwendige Kurskorrektur?

Wie kann diese notwendige Kurskorrektur gelingen?

Wenn dieses „Wegrennen“ also nur dafür sorgt, dass wir Kraft verbrauchen, ohne an einem wertvollen, sinnvollen Ziel anzukommen, dann dürfen wir uns die Frage stellen, was stattdessen sinnvoll wäre.

Die Antwort wird möglicherweise perfide einfach erscheinen: wir brauchen Klarheit und bewusste Entscheidungen.

Klarheit – Wo gehöre ich dazu? Wer bin ich? Was ist mir wichtig? Was denke ich über mich und die Welt?

Bewusste Entscheidungen – Welche Fähigkeiten und Fertigkeiten möchte ich entwickeln und kultivieren? Welches Verhalten möchte ich an den Tag legen? Wie möchte ich mein Umfeld (mit)gestalten?

Vor allem durch die Klarheit wird der Kurs gesetzt, nach welchem wir später unsere Segel ausrichten. Alle unsere Bemühungen sind zum Scheitern verurteilt, wenn sie nicht zielgerichtet erfolgen und wir uns voll und ganz damit identifizieren und uns dafür einsetzen können.

Wie korrigiere ich meinen Kurs am besten?

Vom Prinzip her ist es sehr einfach – ausgehend vom übergeordneten Ganzen immer konkreter ins Detail gehen. Auf jeder Ebene klar definieren, wie die Erfüllung dieser Ebene im Sinne der darüberliegenden Ebene erfolgen kann.

Um dem Prozess der Definitionen eine verständliche Struktur zu geben, können wir uns an etablierten und stimmigen Modellen orientieren. Ich nutze für diese Tipps das Modell der logischen Ebenen der Veränderung (nach Gregory Bateson), auch neuro-logische Ebene (nach Rbert Dilts) genannt.

I – Klarheit über meine Zugehörigkeit

Wo gehöre ich dazu? Überlegen Sie einmal selbst, wie Sie diese Frage beantworten würden.

Diese Frage ist so simpel und ihre Beantwortung kann einen in den Wahnsinn treiben. Was nämlich logisch und selbstverständlich zu sein scheint, ist bei näherer Betrachtung für die meisten von uns nicht auf Anhieb klar:

Gehöre ich beispielsweise zu:

  • Familie/Großfamilie
  • Menschheit
  • Religion/Glaubensgemeinschaft
  • Ethnie/Kulturkreis
  • Stadt/Gemeinde/Ort
  • Land/Region/Kontinent
  • Unternehmen/Firma
  • Verein/Organisation

Sehr wahrscheinlich werden Sie mehrere der angeführten Beispiele mit einem „ja“ beantworten. Bleibt also die Frage, auf welches dieser übergeordneten Systeme beziehen Sie sich in ihrem Weltbild? Dieser Bezugspunkt, nennen wir ihn Referenzsystem, macht in den meisten Fällen eine Kurskorrektur sinnvoll und notwendig.

II – Klarheit über meine Identität

Wie beantworten Sie für sich die folgende Frage:

Wer bin ich?

Bei dieser Fragstellung sind wir versucht, bekannte Antworten aus der Konserve zu präsentieren:

  • Vorname/Nachname
  • Beruf/Ausbildung
  • Vater/Mutter/Sohn/Tochter
  • Rolle/Aufgabe

Sind es nun endlos viele Möglichkeiten, zu sein, wer man sein möchte? Oder sehen wir vielmehr eine Aufzählung von Identifizierungen ohne eigene Identität?

Die nützliche Fragen lauten anders:

  • Wer will ich sein?
  • Was ist mein Selbstverständnis?
  • Von welchem Auftrag leite ich meine Identität ab?

Durch derartige Frage kommen wir einer brauchbaren Definition einen großen Schritt näher. Ist nämlich unser übergeordnetes System klar definiert, dann wird es uns leichter fallen, unsere Funktion in diesem System zu beschreiben – nämlich in Form eines Beitrages zu einem Bedarf in diesem System. Das ist die dringend notwendige Kurskorrektur, um die es in diesem Beitrag geht.

Notwendige Kurskorrektur durch Klarheit

III – Klarheit über meine Werte

In dem Moment, in dem ich mir über meine Idetität im Klaren bin, ergeben sich wie von selbst auch Werte, die ich mir wichtig mache und für die ich bereit bin, Zeit, Energie und Ressourcen einzusetzen.

Diese Werte haben keinen Selbstzweck, denn sie sind mir dann wichtig, um der/die zu sein, der/die ich sein muss, um meinen Beitrag im übergeordneten System zu leisten.

Dieser Beitrag erfüllt uns mit einem Gefühl von Sinn und daher wäre es paradox, Werten nachzueifern, die diesen Sinn am Ende wieder aushöhlen oder gar verhindern.

Die Arbeit mit Werten ist insofern herausfordernd, da sie kognitiv und im Alleingang kaum möglich ist. Man müsste in Hochgeschwindigkeit immer wieder zwischen der Rolle des Prozessbegleites und des Prozessteilnehmers wechseln. Hier empfiehlt sich daher unbedingt die Begleitung in einem Coaching Prozess.

IV – Klarheit über meine Überzeugungen

Kennen Sie solche oder ähnliche Gedanken?

Ich kann das sowieso nicht.

Ich bin nicht schnell genug.

Ich bin nicht klug genug.

Ich habe das nicht verdient.

Es gehört sich nicht, das zu denken/wollen/tun.

Wer denkt immer positiv und wertschätzend über sich selbst? Sogar als ausgebildeter Coach und Lebens- und Sozialberater ist es immer wieder der Fall, dass ich in die Falle tappe und gedanklich nicht besonders wertschätzend mit mir umgehe. Ich habe gelernt, durch Reflexion und Bewusste Entscheidungen an meinen Überzeugungen zu arbeiten, dennoch ist an dieser Stelle Kosequenz und Ausdauer gefragt.

Glaubenssätze und Überzeugungen sind uns zum Teil sogar bewusst. Wir wissen, dass wir dieses oder jenes denken und eigentlich nicht denken wollen. Durch reine Willensanstrengung sind diese Überzeugungen jedoch leider kaum veränderbar. Wenn wir im Rahmen von Coaching und Beratung neue Glaubenssätze erarbeiten und installieren, welche sich von unseren Werten ableiten und ihnen zuträglich sind, dann legen wir für sämtliche bewussten Ebenen ein sehr wertvolles Fundament.

V – Entwicklung meiner Fähigkeiten

Wenn ich meine Überzeugungen gepflegt und auf einen brauchbaren Stand gebracht habe – wie bei einem Computer und den verfügbaren Updates – dann kann ich bewusst an meinen Fähigkeiten und Fertigkeiten arbeiten.

Dieser Schritt ist mit bewussten Entscheidungen und Ausdauer verbunden, manchmal auch mit dem Loslassen vertrauter Gewohnheiten und dem Wechsel von Umgebung und Ressourcen.

Bin ich nämlich überzeugt von etwas, dann weiß ich auch, was ich dafür zu tun bereit bin. Auch hier gilt, dass meine Fähigkeiten, wie zum Beispiel das Erlernen einer Sprache oder einer technischen Fertigkeit, dann leichter Fallen, wenn ich davon überzeugt bin, dass ich dazu in der Lage bin.

Meine Überzeugungen leiten sich an dieser Stelle von Werten ab, die im Sinne einer Identiät sind, welche sich selbst aus einem Bedarf in einem übergeordneten System ableitet. Da durch diese Ableitung ein Gefühl für Zweck und Sinn der eigenen Existenz entsteht, wird es attraktiver, dafür etwas zu leisten. Unsere Bemühungen sind es plötzlich wert, aufgebracht zu werden. An dieser Stelle ist Ihnen Ihre notwendige Kurskorrektur so gut wie gelungen, Gratulation!

Viele der Fähigkeiten und Fertigkeiten, die wir an dieser Stelle benötigen, lassen sich heute ohne großen finanziellen Aufwand erlernen. Man braucht vielfach weder Lehrer:innen noch Trainer:innen (in manchen Bereichen bleibt es absolut sinnvoll, von Menschen persönlich zu lernen) – das Internet und gute Bücher liefern oftmals das nötige Wissen inklusive einer Gebrauchsanweisung.

Alles was wir tun müssen, ist uns darauf einzulassen und dranzubleiben.

Wie kann ich meinen Kurs in Zukunft halten?

Sorgen Sie für die nötige Klarheit, wie ich Sie in den Punkten I bis IV beschrieben habe. Schwindeln Sie sich nicht über einen Punkt hinweg, sondern gehen Sie gewissennhaft vor. Der Aufwand ist Anfangs gefühlt groß, der Nutzen aber mittel- bis langfristig unverhältnismäßig größer.

Die Punkte I bis IV können auch im Rahmen einer systemischen Familienaufstellung betrachtet und bearbeitet werden. Diese Methode ist sehr effektiv und besonders gut geeignet für Menschen, die ihre Körperwahrnehmung einmal aus einer anderen Perspektive erleben möchten.

Es gibt viele Möglichkeiten, Fähigkeiten zu entwickeln und gänzlich neue zu erwerben.  Erforlich ist hierfür Übung und Geduld. Das Wort Übung verrät auch schon, was wirklich nötig ist – Sie müssen regelmäßig etwas dafür tun und Fehler als das sehen, was das Wort impliziert: es fehlt noch etwas. Hier ist Ausdauer und Konsistenz gefragt.

Viel wirksamer als zweimal pro Woche drei Stunden zu lernen oder zu trainieren ist es zum Beispiel, jeden Tag 20 Minuten dafür zu reservieren.

So klappt die notwendige Kurskorrektur und wirkt nachhaltig

Geschwindigkeit ist längst nicht alles im Leben. Nicht umsonst kenn wir Sprüche wie

In der Ruhe liegt die Kraft.

Nehmen Sie sich das zu Herzen, dann fällt es Ihnen leichter, sich mit der Klarheit über Ihre Ausrichtung zu beschäftigen. Vielleicht möchten Sie darüber meditieren, möglicherweise mehr zu dem Thema lesen. In jedem Fall ist es eine gute Idee, sich in welcher Form auch immer Gedanken zu machen.

Wenn Sie sich allein nicht darüber aussehen, dann nutzen Sie am besten die professionelle Unterstützung durch einen gut ausgebildeten, erfahrenen Berater – sei es im Coaching oder in einer Familienaufstellung.

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